Unter der AchalmDieses Album ist das Ergebnis meiner sehr persönlichen Auseinandersetzung sowohl mit dem Werk HAP Grieshabers als auch mit der Geschichte meiner Heimatstadt Reutlingen. Aufgewachsen unweit von Grieshabers Atelier am Fuße des Reutlinger Hausbergs, der Achalm, waren mir viele seiner Arbeiten und Motive seit frühester Jugend vertraut. Manche seiner Drucke zieren die Wände meines Elternhauses, seine ornamentale, expressive Bildsprache und diese völlig eigene, teils vielfarbige Holzschnitt-Technik gehören zu meinen ersten Eindrücken von bildender Kunst. Die Idee zu dieser CD verdanke ich dem Reutlinger Künstler Wolfgang Rätz und seinem Vorhaben, Grieshabers Bilderzyklus Sturmbock in einem Schattentheaterstück zu verarbeiten. Er setzte hierfür die 13 Bildmotive in Szenen um und ließ sie auf einem großen Schattenschirm langsam aus einzelnen Segmenten zusammenwachsen. Als Rätz eines Tages an mich herantrat und fragte, ob ich für dieses Projekt zeitgenössische Gitarrenmusik komponieren und mit ihm gemeinsam aufführen wolle, mußte ich nicht lange überlegen. Ich schrieb eine 13-teilige Suite aus Solostücken für elektrische Bariton- und Klassikgitarre und arrangierte diese zu collagenhaften Klangbildern, welche die Schatten- Szenen umrahmten. Im Jahr 2006 wurde das Schattenspiel Der Reutlinger Sturmbock mit großem Erfolg uraufgeführt — im Foyer des Reutlinger Rathauses, unmittelbar unter dem Grieshaberschen Original. Für das vorliegende Album mußte ich meine 13 Kompositionen nun zum Teil umarrangieren. Es galt einen neuen Weg zu finden, die Geschichten des Sturmbocks zu erzählen, diesmal ohne die bewegten Schattenbilder. Meine beiden Gitarren haben diesen Weg scheinbar wie von ganz alleine gefunden. Dank ihrer grenzenlosen Neugier nach Klang und Spieltechnik, sowie ihrer Respektlosigkeit vor Stilgrenzen jeder Art — ich mußte ihnen eigentlich nur noch folgen. Die beiliegende, verkleinerte Druckausgabe des Sturmbocks — mit kurzen Erklärungen zu den einzelnen Motiven — soll dazu einladen, uns durch dieses Abenteuer zu begleiten… Jan Henning
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